Artikel der Südwest Presse (Kreis Neu-Ulm und Region)

40 Quadratmeter für Tiger und Co.

Quelle:
Online-Ausgabe der Südwest Presse (Kreis Neu-Ulm und Region)
Web-Link
Autorin:
Claudia Reicherter
Datum:
Artikel erschienen am 31.03.2008
Rechtlicher Hinweis:
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Nersingen   Wer eine Katze als Mitbewohner hat, will trotzdem mal in Urlaub. Damit sich Tierhalter währen ihrer Abwesenheit keine Sorgen machen müssen, gibt es jetzt in Nersingen eine spezielle Katzenpension.

Seit Anfang des Jahres gibt es in Nersingen eine Ferienunterkunft speziell für Katzen. Miriam Graf hat sie im Obergeschoss einer Tierarztpraxis in der Ulmer Straße 8 eingerichtet. Dort ist die 24-jährige Tierpflegerin bereits seit Dezember angestellt, um in der Sprechstunde mitzuhelfen und bei Operationen zu assistieren. Als sie zum Tierarzt-Team stieß, nahm ein bislang loses Vorhaben ihres Chefs konkrete Formen an, erzählt sie. Gemeinsam entwickelten sie die Idee der artspezifischen, tage- bis wochenweisen Betreuung für Katzen weiter.

Platz zur Umsetzung dieser Idee war ausreichend vorhanden: Das obere Stockwerk des Hauses stand leer. Eine Küche zur Zubereitung der Mahlzeiten und zum Ausspülen der Fressnäpfe war schon vorhanden, der Rest der Wohnung wurde katzenkompatibel ausgebaut.

Mit der jungen Frau, die ihre Ausbildung im Ulmer Tierheim gemacht hat, war zudem für fachgerechte Betreuung und Pflege gesorgt. Sie sei speziell geschult darin, auf ein Tier und seine Bedürfnisse einzugehen, erklärt Miriam Graf. Der Schwerpunkt bei der Tierpfleger-Ausbildung liege weniger im medizinisch-wissenschaftlichen Bereich wie beim Tierarzthelfer. Der Blick richte sich dabei vielmehr darauf, was aus tierischer Sicht das Wichtigste an der Unterbringung sei. Und noch eine grundlegende Voraussetzung erfüllt sie: Die Beschäftigung mit Katzen macht ihr große Freude.

Beim Einrichten der Pension legten die Initiatoren Wert darauf, die Tiere so artgerecht wie möglich unterzubringen. "Ganz artgerecht geht es nicht, denn dazu müssten wir die Katzen rauslassen", sagt Miriam Graf. Aber immerhin können sie sich in einem etwa 40 Quadratmeter großen Raum frei bewegen.

Ausgestattet ist der mit Kratzbäumen, Liegestellen und -höhlen sowie reichlich Spielzeug für bis zu 15 Katzen. Dazu stehen ausreichend Katzentoiletten bereit. Damit die Haarbälle nicht zu lang im Magen bleiben, hat Miriam Graf dort Schalen und Töpfe mit Katzengras aufgestellt. Wichtig sei auch das Licht, das ungehindert durch große Fenster in die Ferienwohnung für Katzen fällt. Die Tierpflegerin schwärmt geradezu von "dieser wunderbaren Fensterfront zur Straße hin: Die Katzen sitzen so praktisch den ganzen Tag vor dem Fernseher".

Die erste Amtshandlung des Tages besteht für die Tierarztangestellte jetzt jeden Morgen darin, nach ihren haarigen, eigenwilligen Gästen zu sehen. Miriam Graf versorgt sie, spricht mit ihnen und steht - falls von diesen gewünscht - zur weiteren Kontaktaufnahme bereit. Zum Streicheln, Kraulen, Spielen. "Das richtet sich immer nach dem Tier", sagt sie. Bis die Feriengäste sich wohlfühlten, dauere es in der Regel ein paar Tage. "Denn die Umgebung ist fremd und ich bin zunächst auch eine Fremde." Erst nachdem sie den Katzen ein paar Mahlzeiten vorgesetzt habe, tauten diese gewöhnlich auf.

Im Moment wohnt der junge Kater Whiskey ganz allein in der Nersinger Katzenpension. So kann er sich der ungeteilten Zuwendung der Pflegerin gewiss sein. Da das Tier erst ein dreiviertel Jahr alt ist, brauche es besonders viel Aufmerksamkeit, sagt diese. Voraussetzung für seinen vorübergehenden Einzug in die Nersinger Katzenpension war, dass Whiskey kastriert, vollständig geimpft und parasitenfrei ist.

Bringt ein Katzenhalter kein aktuelles tierärztliches Gesundheitszeugnis mit, wird sein Haustier vor dem "Einchecken" einen Stock tiefer in der Tierarztpraxis untersucht. So sollen Infektionen vermieden werden. Treten allen Vorsichtsmaßnahmen zum Trotz während des Aufenthalts dennoch Beschwerden auf, ist die medizinische Versorgung in nächster Nähe von Vorteil. Und bei psychosomatischen Ursachen steht Miriam Graf als einfühlsame Betreuerin bereit.

Da die Pension erst im Januar eröffnet wurde, waren bislang maximal fünf Tiere gleichzeitig da. Einmal jedoch ausschließlich Kater. "Das war aber kein Problem", erzählt die Pflegerin. Die Tiere hätten genügend Platz, um einander aus dem Weg zu gehen, auch wenn sie sich nicht riechen können.

Bisher rekrutieren sich die Feriengäste vor allem aus dem Kreis der Patienten. Doch das Angebot spricht sich herum, hat Miriam Graf festgestellt. Tierheime könnten oftmals keine Pensionsgäste mehr aufnehmen, die Nachfrage nach artgerechter, zuverlässiger und liebevoller Betreuung nehme jedoch zu.

Im Moment sei es noch möglich, Katzen und Kater kurzfristig aufzunehmen. Vor beliebten Ferienzeiten aber sollten interessierte Katzenbesitzer ihre Tiere zwei bis drei Wochen im Voraus anmelden. Die Unterbringung kostet von Montag bis Freitag sieben Euro pro Tier und Tag, am Wochenende steigt der Preis auf neun Euro. Ein- und Ausgecheckt wird montags bis freitags.